Die besten historischen Kostüme
Historische Kostüme: Eine Reise durch die Jahrhunderte
Wenn ich von historischen Kostümen spreche, meine ich nicht nur Kleidung vergangener Zeiten. Ich meine das Gesamtbild, das Zusammenspiel aus Stoff, Schnitt, Accessoires und Schminke. Wer einmal ein historisches Kostüm getragen hat, weiß: Es verändert nicht nur das Äußere, sondern auch die Haltung, die Bewegung, manchmal sogar die Stimme.
Warum historische Kostüme faszinieren
Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Kontakt mit einem barocken Kleid. Die schwere Seide, das enge Korsett, die weiten Röcke. Es war, als wäre ich in eine andere Welt gestiegen. Dieses Gefühl fasziniert viele. Historische Kostüme geben uns die Möglichkeit, in andere Rollen zu schlüpfen, Zeitreisen zu unternehmen – nicht in Gedanken, sondern am eigenen Körper.
Dabei ist nicht nur das Tragen des Kostüms entscheidend, sondern auch das Verstehen des gesellschaftlichen Kontextes, des Handwerks und der Rolle des Kostüms innerhalb der jeweiligen Epoche. Man begreift, wie sehr Kleidung früher Ausdruck von Stand, Beruf, Geschlecht und Ideologie war.
Mittelalterliche Kleidung: Zwischen Funktion und Symbolik
Die Tunika des einfachen Volkes
Im Hochmittelalter trug das gemeine Volk meist einfache Tuniken aus Leinen oder Wolle. Diese wurden über den Kopf gezogen, reichten bis zu den Knien und waren oft ungefärbt. Der Schnitt war schlicht, die Funktion im Vordergrund. Für mich war es interessant zu sehen, wie sehr die Kleidung den Alltag spiegelte: robust, praktisch, wenig verzierend.
Das Nähen erfolgte meist per Hand. Nähmaschinen waren unbekannt. Der Faden bestand häufig aus Flachs oder tierischen Produkten. Säume wurden einfach umgeschlagen und vernäht. Knöpfe waren selten, stattdessen nutzte man Bänder oder Fibeln.
Der Adel kleidete sich aufwendiger
Bei den Adligen sah das ganz anders aus. Edle Stoffe wie Seidengemische oder Brokat kamen zum Einsatz. Die Farben waren Ausdruck von Reichtum und Macht. Besonders Rot und Purpur waren beliebt – sie galten als teuer und waren teilweise dem Adel vorbehalten. Die Schnitte waren enger, die Ärmel weiter, und Stickereien sowie Pelzbesatz zeigten, wem Einfluss zustand.
Der Aufwand bei der Herstellung des Kostüms war erheblich. Die Auswahl des Stoffes, die Schnitte, die Zierde – alles musste perfekt aufeinander abgestimmt sein. Das Tragen des Kostüms war mit Stolz verbunden, denn es spiegelte den gesellschaftlichen Rang wider.
Accessoires und Kopfbedeckungen
Gürteltaschen, bestickte Gürtel, Kopftücher oder Hauben – jedes Detail hatte seinen Platz. Für Frauen waren Schleier oder wulstige Hauben typisch. Männer trugen häufig Gugel oder Barett. Und natürlich spielte auch der Bart eine Rolle: gepflegt, in Form gebracht, oft mit Symbolkraft versehen.
Gürtelschnallen wurden häufig aus Metall gefertigt, in aufwendiger Handarbeit. Schmuck, selbst wenn schlicht, war oft mit religiösen oder familiären Symbolen versehen. Die Wahl des Accessoires war keineswegs zufällig.
Die Renaissance: Wenn Mode zur Kunst wird
Die Silhouette der Zeit
In der Renaissance änderte sich der Körper, zumindest im Kleid. Breite Schultern, schmale Taille, akzentuierte Hüften prägten das Ideal. Männer trugen Puffärmel, Schaube oder Wams. Frauen setzten auf Korsetts, Miedergürtel und Unterröcke. Das historische Kostüm dieser Zeit wirkt auf mich fast wie eine Skulptur.
Materialien und Farben
Samt, Taft, Leinen, Seide – je nach Stand. Gold- und Silberfäden zogen sich durch die Gewänder der Reichen. Besonders auffällig: der Hang zu geometrischen Mustern und Kontrasten. Farbkombinationen wie Schwarz und Gold oder Blau und Weiß dominierten. Die Stoffe wurden häufig mit pflanzlichen oder tierischen Mitteln gefärbt, was den Farben eine natürliche Tiefe verlieh.
Schminke und Frisuren
Sowohl Männer als auch Frauen nutzten Kosmetik. Blasse Haut galt als Zeichen von Vornehmheit. Dazu wurde Bleiweiß verwendet, was heute unvorstellbar wäre. Lippen und Wangen wurden leicht gerötet, die Haare oft streng nach hinten gekämmt oder unter kunstvollen Hauben verborgen.
Für die Herstellung des Schminksalzes wurde beispielsweise gemahlener Kreidepulver mit tierischen Fetten und ätherischen Ölen vermischt. Der Geruch war intensiv, oft übertüncht mit Rosen- oder Lavendelwasser.
Barock: Überfluss und Präsentation
Der Prunk der Kleidung
Das historische Kostüm des Barock ist an Opulenz kaum zu übertreffen. Ich habe einmal ein barockes Reifrockkleid getragen – allein das Anziehen dauerte über eine Stunde. Reifröcke, Korsetts, Spitzen, Rüschenschichten: Hier ging es um Wirkung. Die Rücken waren gerade, der Gang kontrolliert, der Auftritt durchdacht.
Die Konstruktion des Kostüms erforderte handwerkliches Können. Die Herstellung eines Reifrocks aus Fischbein oder Stahl dauerte Wochen. Stickereien wurden von Hand gesetzt, oftmals mit Goldfäden.
Der Herr in Weste und Kniebundhose
Auch die Männer trugen prachtvolle Kleidung. Westen mit Stickerei, Spitzenjabot, Kniebundhose, seidene Strümpfe und Schnallenschuhe – alles aufeinander abgestimmt. Dazu kamen Perücken, die aus heutiger Sicht theatral wirken, damals aber absoluter Standard waren.
Diese Perücken bestanden häufig aus echtem Haar oder aus Pferdehaar, das entsprechend behandelt wurde. Die Frisuren symbolisierten nicht nur Mode, sondern auch Zugehörigkeit zu bestimmten politischen Richtungen oder sozialen Gruppen.
Make Up und Accessoires
Rouge, Puder, Lippenfarbe und Muttermale (oft aus Seide geschnitten und aufgeklebt) – das Schminkset war umfangreich. Besonders auffällig: die Vorliebe für Duft, da Körperpflege eine untergeordnete Rolle spielte. Fächer, Handschuhe und reich verzierte Gehänge rundeten den Auftritt ab.
Der Fächer war oft nicht nur Accessoire, sondern Kommunikationsmittel. Mit ihm ließ sich flirten, ablehnen oder zustimmen. Die Materialien reichten von bemaltem Pergament bis zu Elfenbein und Seide.
Rokoko: Verspieltheit und Leichtigkeit
Weiche Linien, helle Farben
Im Vergleich zum Barock wurde die Mode im Rokoko verspielter. Zarte Pastelltöne, florale Muster, asymmetrische Verzierungen bestimmten das Bild. Der Reifrock wurde durch die sogenannte „Panier“ ersetzt, die die Röcke seitlich ausstellte. Ich habe einmal versucht, durch eine normale Tür mit Panier zu gehen – unmöglich ohne seitliches Eindrehen.
Die Stoffe waren häufig mit kleinen Stickereien oder Borten verziert. Stickereien zeigten Szenen aus dem Alltag oder der Mythologie. Auch Chinoiserien waren sehr beliebt.
Frisuren wie Bauwerke
Die Frisuren dieser Epoche waren kleine Kunstwerke. Mit Draht, Haarteilen, Puder und Schmuck entstanden wahre Turmgebilde. Manche Damen trugen thematische Frisuren – mit Schiffen oder Schlachten als Dekoration.
Die Puderung erfolgte mit Stärkemehl, das häufig parfümiert war. Männer trugen ebenfalls aufwendig frisierte und gepuderte Perücken. Das Tragen der Perücke war Zeichen des Standes und der Bildung.
Die Rolle der Schminke
Weiß gepuderte Haut, rote Wangen, dunkel betonte Augenbrauen. Dabei ging es nicht nur um Schönheit, sondern um Status. Ein perfekt geschminktes Gesicht bedeutete Zeit, Bedienstete und Geld.
Die Herstellung des Schmucks war ebenfalls kunstvoll. Broschen mit Emaillearbeiten, ziselierte Goldketten und mit Diamanten besetzte Ohrringe vervollständigten den Eindruck des Kostüms.
Empire und Biedermeier: Rückkehr zur Schlichtheit
Der Einfluss der Antike
Im Empire ähnelten die Kleider der Frauen antiken Gewändern. Leichte Stoffe, hoher Taillenschnitt, kaum Unterbau. Der Körper bewegte sich wieder freier. Dieses historische Kostüm zu tragen, fühlte sich fast wie ein Befreiungsschlag an.
Biedermeier: Die Rückkehr zur Häuslichkeit
Die Mode wurde wieder strenger, geschlossener. Frauenkleider hatten lange Ärmel, hohe Krägen und ausgestellte Röcke. Die Männer trugen Gehrock, Weste, Krawatte. Es ging um Seriosität, nicht um Inszenierung.
Die Stoffwahl war dezenter. Muster waren kleinteiliger, die Farben gedeckter. Accessoires wie Broschen mit Familienporträts oder zarte Häubchen waren üblich.
Natürlichere Schminke
Die Schminke trat in den Hintergrund. Ein wenig Puder, ein Hauch Farbe auf den Lippen. Die Betonung lag auf Zurückhaltung und Sittsamkeit. Cremes aus Mandelöl oder Rosenwasser waren beliebt, jedoch wurde dekorative Kosmetik seltener verwendet.
Historismus und Viktorianisches Zeitalter: Alles kommt zurück
Ein Mix der Epochen
Im 19. Jahrhundert wurde Mode historisierend. Elemente aus Renaissance, Gotik und Rokoko tauchten wieder auf. Frauenkleider hatten Bustle und Korsett, Männer trugen Frack oder Gehrock.
Die Struktur des Kostümaufbaus
Ein viktorianisches Kleid bestand aus mehreren Schichten: Unterkleid, Korsett, Krinolinen, Rock, Überrock, Jacke. Ohne Hilfe war man aufgeschmissen. Ich habe es ausprobiert – allein das Korsett zu schnüren war eine Herausforderung.
Die Kleidung wurde zunehmend industriell hergestellt, doch die detailreiche Gestaltung blieb erhalten. Knöpfe, Borten, Bänder – alles wurde präzise platziert.
Kosmetik wurde privat
Kosmetik galt als etwas Intimes. Zu viel Farbe galt als anstößig. Dennoch benutzte man Puder, Rouge und Hautcremes. Die Frisuren waren aufwendig, aber weniger spektakulär als im Rokoko. Zöpfe und kunstvolle Steckfrisuren dominierten.
Fazit: Was historische Kostüme mit uns machen
Ein historisches Kostüm zu tragen, ist kein Spiel. Es ist eine Begegnung mit dem Leben früherer Generationen. Ich habe durch das Tragen verschiedenster Gewänder nicht nur Stoffe und Schnitte kennengelernt, sondern Haltungen, Werte, Rollenbilder. Man lernt, wie Kleidung kommuniziert, ohne ein Wort zu sagen.
Ob Mittelalter, Barock oder Biedermeier – jedes historische Kostüm erzählt seine eigene Geschichte. Und jede Naht, jede Stickerei, jeder Faltenwurf lässt uns diese Geschichte fühlen.
Diese Reise durch die Geschichte des Kostüms lehrt vor allem eines: dass Mode nie losgelöst von der Gesellschaft existiert. Sie ist Spiegel, Werkzeug und Ausdruck der jeweiligen Zeit. Und genau das macht historische Kostüme für mich so faszinierend.